Mit Wine 1.0 und Firefox 3.0…

Juni 18, 2008

…können gleich zwei populäre freie Softwareprojekte am gleichen Tag ein Major-Release zeigen.

Wine hat, wie bei freien Projekten üblich, mit Version 1.0 nach 15 Jahren Entwicklungszeit die erste Version veröffentlicht, die offiziell nicht mehr den Beta-Status trägt. Die Implementation der Windows-Bibliotheken und die Nachbildung der WinAPI sind jedoch nach wie vor nicht komplett, neben den vielen Anwendungen, die mit Hilfe von Wine auf diversen unixoiden Betriebssystemen (Linux, FreeBSD/Darwin/Mac OS X, Solaris) laufen, gibt es nach wie vor einige, die gar nicht oder nur sehr eingeschränkt oder instabil funktionieren. Wenn man bedenkt, dass die nachgebildeten Schnittstellen oft schlecht oder gar nicht dokumentiert sind, ist der jetzige Status des Projekts jedoch schon eine gewaltige Leistung seiner Entwickler. Auch die Tatsache, dass es mit CrossOver und Cedega gleich zwei kommerzielle Forks gibt zeigt die Leistung, die das Wine-Projekt erbracht hat.

Auch die Mozilla-Entwickler können ein neues Release ihres Browsers vorzeigen, Firefox 3.0. Neben vielen anderen Änderungen wurde die Performance entscheidend verbessert (wobei fixe Hintergrundbilder nach wie vor einen Performanceeinbruch beim Scrollen zur Folge haben), eine Suche in die Adressleiste integriert und die endgültige Version des Browsers besteht - wie schon die erste Beta - den Acid2-Test. Für einige der populäreren Erweiterungen existieren bereits Kompatibilitätsupdates, weitere sollen in den nächsten Tagen folgen. Wer nicht warten will und wer experimentierfreudig ist, dem sei gesagt, dass viele Erweiterungen mit der neuen Browserversion problemlos zusammenarbeiten, nachdem sie z.B. mit den `Nightly Tester Tools` als `kompatibel` markiert wurden.

Neben dem eigentlichen Release des Browsers macht Mozilla noch mit einer anderen lange angekündigten Aktion von sich reden - mit dem `Firefox Download Day`. Im Vorfeld konnte ein Downloadversprechen abgegeben werden, am Abend des 17. Juni 2008 wurde der Download schliesslich freigegeben. Während normalerweis gerade bei populären freien Projekten der Ansturm der Besuchermassen nach einem neuen Release ein Schrecken der Administratoren sind, wurde dieses Verhalten hier - durch den Weltrekordversuch `Download Day` - provoziert. Die Turbulenzen kamen, wie sie kommen mussten, die Downloadserver zeigten zeitweise typische Überlastungssymptome, waren kaum oder gar nicht erreichbar. Doch die Aktion wurde dennoch ein Erfolg - beinahe 7 Millionen Downloads wurden getätigt, wenn man beachtet, dass das Firefox-Setup je nach System zwischen 7 und 17 Megabyte gross ist, kommt man auf etwa 70 Terabyte an Traffic in aller Welt, welcher dank Firefox in den letzen 24 Stunden verursacht wurde und den die Mozilla-Server und ihre Mirrors verkraften mussten.

Update: Firefox’ `Download Day` ist vorüber - gut 8.5 Millionen Downloads kann die Mozilla Foundation vorweisen, die Guieness-Leute werden den Rekord in den nächsten Tagen prüfen.


Achtung, Linux-Server-Betreiber…

Februar 10, 2008

…ihr solltet vorsichtig sein, wem ihr eine Shell auf eurem Server gebt. Und in nächster Zeit noch besser auf die Sicherheit eurer PHP-Skripte achten. Denn ein Local-root-Exploit gegen Kernelversionen bis 2.6.24.1 wurde kürzlich veröffentlicht. Somit kann jeder, der beispielsweise über eine Remote File Inclusion Code - wenn auch als eingeschränkter User - auf eurem Server zur Ausführung bringen kann, volle root-Rechte erlangen.


Firefox 3.0 Beta 1 - What’s new?

November 20, 2007

Heute wurde die erste Beta des kommenden Firefox 3.0 (Source sowie Binaries für Mac OS X, Linux und Windows) veröffentlicht. Die unter dem Codename `Gran Paradisio` (welcher mit der Beta über Bord geworfen wurde) geführte Browser-Version bietet viele Neuerungen. Für Mac OS X - User ein ganz besonders Schmackerl ist das neue Theme, dass den Browser optisch besser ins System integriert. Ebenfalls wurde an der CSS-Unterstützung gearbeitet, so dass der neue Firefox den ACID2-Test besteht.

GranParadisio kann CSS

Somit kann sich ein Webentwickler in Zukunft hoffentlich darauf verlassen, dass alle brauchbaren Browser CSS standardkonform implementiert haben - denn Safari, Opera und Konqueror bestehen  den Test bereits. Einzig Microsoft hat angekündigt, dass der Test `nicht wichtig sei` und den IE 7 in eine andere Richtung entwickelt. Ob der IE 8 die Standards beachten wird, ist noch unklar. Die Reaktion einiger Webmaster, den IE komplett auszusperren, halte ich jedoch für überzogen - es sollte reichen, die Seite standardkonform zu Schreiben - wenn das der IE nicht versteht, ist das nicht das Problem des Webmasters.

Ebenfalls  neu ist der Bookmark-Manager, der nun auch Lesezeichen taggen und eine Vorschau jedes Lesezeichens anzeigen kann sowie die Fähigkeit, Webseiten als Ganzes zu skalieren - Bilder inklusive.

Das Problem, dass die meisten Extensions noch nicht kompatibel sind, lässt sich mit der Erweiterung `Nightly Tester Tools` lösen. Einfach installieren, den Extension-Manager öffenen und eine beliebige Erweiterung per Kontextmenü als kompatibel markieren. Dass dies nicht in allen Fällen geht, ist klar - aber zumindest die wichtigsten Plugins wie AdBlock Plus, Greasemonkey, NoScript und RemoveItPermanently machen mir keine Probleme.

Update: Die zweite Beta-Version versteht sich wiederum schlecht mit dem ACID2-Test. Da hat sich wohl wieder ein Fehler in der Rendering-Engine Gecko eingeschlichen…

Update 2.0: Der Bug war nicht in Gecko, sondern im ACID2-Test selbst - und er ist nun behoben.


Microsoft und die Nigeria-Connection

November 1, 2007

Der erst vor zwei Tagen bekanntgewordene Deal zwischen dem Linux-Distributor Mandravia und der nigerianischen Regierung betreffend die Abnahme von 17000 Intel `Classmate-PC` Notebooks mit Mandravia Linux scheint komischerweise über Nacht geplatzt zu sein. Man sei, so die nigeranische Regierung, weiterhin bereit, die 17000 Lizenzen der speziell für das NAND-Flash des Notebooks angepassten Mandravia-Linux-Version zu bezahlen - danach werde man allerdings auf Windows umsteigen. Selbstverständlich weiss keiner, was die Meinungsänderung bewirkt hat, oder wie sich die Regierung auf einmal die 17000 Wegwerf-Lizenzen leisten kann - dazu kommen dann noch die Kosten für 17000 Windows-Lizenzen, wohlgemerkt. Davon abgesehen ist für das symphatische französische Unternehmen die Sache nicht nur finanzieller Natur - der Einsatz ihrer Distribution in den nigerianischen Schulen wäre auch prestigemässig ein grosser Erfolg.

François Bancilhon von Mandravia schrieb dem korrupten Big-Boss gestern einen offenen Brief, in dem er unter anderem die Frage stellt, was er denn getan habe, um Nigeria umzustimmen, nachdem Mandravia den Auftrag schon in der Tasche hatte. Eine sehr berechtige Frage… Warum sollte man ein speziell für das Notebook und dessen Verwendungszweck angepasstes Betriebssystem durch ein Windows `von der Stange` ersetzen - und womöglich noch zu einer äusserst eingschränkten Variante, etwa der `Starter Edition` von XP greifen? Wobei letzteres eher zu bezweifeln ist, Microsoft wird wohl Professional-Lizenzen `grosszügigerweise` spendieren…

Windows fristet momentan trotz seiner Dominanz auf dem Desktop im Bereiche der minimalistischen Notebooks eher ein Schattendasein, zumal sowohl der OLPC-Laptop wie auch der Asus `Eee PC` laufen standardmässig mit Linux - wobei letzterer `Windows XP Capable` sein soll…


EU gegen Microsoft-Monopol

Oktober 22, 2007

Vor einem Monat hatte der europäische Gerichtshof Microsoft dazu verdonnert, die Schnittstelleninformationen für Entwickler offenzulegen. Nach Ansicht (die sich im übrigen mit der meinigen deckt) des Gerichts nutzt Microsoft seine Marktmacht aus, um die Kommunikationsfähigkeit von Windows mit alternativen Betriebssystemen künstlich einzuschränken. So ist etwa das SMB (Server Message Block)-Protokoll, das Windows zum Dateitausch nutzt, nicht offen spezifiziert, so dass die Entwickler der freien Impementation Samba dieses durch Reverse-Engineering erkunden mussten. Ohne Samba wäre etwa ein heterogenes Netz aus Windows-Clients und Linux File-/Loginservern nicht zu realisieren.

Microsoft nimmt das Urteil, die Informationen innert 120 Tagen zu veröffentlichen, an. Gleichzeitig werden die Lizenzkosten für solcherlei Informationen auf 10000 Euro einmalig (ohne Patente) oder 0.4% Umsatzbeteiligung (mit Patenten). Letztere Möglichkeit könnte für die Entwickler freier Software interessant sein - mit einem Umsatz von 0.00 Euro!


`Mutiger Gibbon` - Ubuntu 7.10

Oktober 18, 2007

Ubuntu wurde heute in der Version 7.10, Codename `Gusty Gibbon`, offiziell freigegeben. Die wohl auffallendste Neuerung der auf Kernel 2.6.22 basierten Distribution ist wohl der Compiz-Fusion-Windowmanager, der erstmals auch per Default aktiviert ist. Dadurch eröffnen sich Effekte Desktop-Würfel, Wobbly Windows und ähnliches. Gut - das war schon mit Beryl möglich. Nun wird der Desktop-Würfel sogar verspiegelt und aus Fenstern werden Papierflieger gebastelt…

Golem hat die Original-Distribution mit dem Gnome-Desktop schon in die Mangel genommen und getestet. Ich werde bei Zeiten die KDE-Variante Kubuntu der neuen Version antesten…


Bei Nichtgebrauch Geld zurück…

September 25, 2007

In Frankreich jemand gegen Acer geklagt, weil diese ihm das zurückgeschickte Windows, das mit seinem Notebook gebundelt wurde, nicht erstatten wollten. Lediglich 30 Euro wurden ihm geboten. Dieser jemand wollte allerdings - berechtigterweise - mehr Geld sehen, so dass der Fall vor Gericht landete. Dieses schätzte den Wert der Software wesentlich höher ein - so dass ein 600-Euro-Notebook plötzlich nur noch die Hälfte kosten sollte. Wenn man dann noch die Busse gegen Acer mitberücksichtigt, war dieser Kunde für Acer bedauerlicherweise ein Verlustgeschäft. So ein Pech aber auch.

Wenn sich diese Auffassung in der ganzen EU durchsetzen sollte (Der Brüsseler `Think Tank` hat ja sogar ein noch radikaleres Gesetz vorgeschlagen, dass jede Bundelung verbieten soll), würde dies Microsoft sicherlich einige schlaflose Nächte bereiten, zumal sich einige Leute gegen ein vorinstalliertes Windows entscheiden und damit die `Microsoft-PC-Steuer` umgehen würden, ohne sich gleich ein Super-High-End-Gerät eines Markenherstellers kaufen zu müssen. Auch Apple könnte es nerven, Mac OS X nebst iLife und dem anderen `Macintosh Software Bundle`-Kram (auch `iFoo` genannt) zurücknehmen zu müssen.

Also, hoffen wir das Beste. Lang lebe der Wettbewerb. Und dieser erfordert, dass Hardware nur mit Firmware, nicht aber mit Software zwangsgebundelt werden darf, so dass der FOSS-Einsatz auch finanziell einen Anreiz darstellt.


The Soap must go on…

September 25, 2007

…sonst wäre es keine Soap. Wie schon vor 2 Tagen berichtet, hat Danny Carlton etwas gegen `AdBlock Plus`-User - er hat fälschlicherweise den Autor dieser praktischen Erweiterung als Deutscher bezeichnet und danach Sprüche im Stil von `Die deutschen sind alle Schuld am Nationalsozialismus` geklopft, nur weil dieser eine Sicherheitslücke im Firefox umschifft hat und somit Danny’s `AdBlock Plus`-Erkennungsskript unbrauchbar machte.

Nun geht die Soap weiter. Danny nutzt ein Fake-Bild, um `AdBlock Plus` zu erkennen. Bei mir scheint das nicht zu funktionieren, angeblich würde ich zwar den Firefox benutzen, aber `AdBlock Plus` sei nicht aktiv. Ich habe das aber immer an.

Um das Skript zu umgehen, muss man JavaScript einfach ausschalten. Alternativ kann man ‘ none.emediate.jpg’ auf die `AdBlock Plus`-Whitelist setzen.


AdBlock Plus, warum Firefox geblockt ist oder warum sich Godwins Gesetz einmal mehr bestätigt

September 23, 2007

Dass es Seiten gibt, die sich durch Werbung finanzieren ist klar. Doch fast alle Werbeunternehmen haben mindestens eine der folgenden Eigenschaften:

  • Ihre Werbung ist äusserst aufdringlich (Layer-Ads)
  • Sie erheben mehr Daten als einem lieb ist (Google AdSense)

Somit muss es einen nicht wundern, dass mehr und mehr Personen etwas dagegen unternehmen. So gibt es etwa die nette Firefox-Extension `AdBlock Plus`, die Werbung schnell und einfach beseitigt. Der Fanatiker Danny Carlton wollte dies nicht auf sich sitzen lassen und versuchte, die Nutzer von `AdBlock Plus` auszusperren. Als dies nichts zu nützen schien, verbannte er kurzerhand den Firefox von seinen Seiten und leitete dessen Nutzer auf whyfirefoxisblocked.com um. Vor etwa einem Monat schliesslich nutzte er eine Firefox-Lücke, um das Vorhandensein von `AdBlock Plus` festzustellen.

In der vorerst letzten Episode dieser Soap bestätigt sich Godwins Gesetz - das besagt, dass in jeder Diskussion am Ende Hitler oder die Nazis erwähnt werden - einmal mehr. Nur weil Wladimer Palant, der Entwickler von `AdBlock Plus`, dieses Sicherheitsleck in einer neueren Version umschifft hat, wird er aufs übelste beschimpft. Der Firefox ist wieder einmal von Carlton’ Seiten geblockt.

In der Vergangenheit ist Carlton schon öfter durch infantile, naive Blog-Posts aufgefallen. So wäre man ihm zufolge ein «Firefox-Fanboy», wenn man «es gut findet, dass die Zukunft des Webs durch eine Gruppe Nerds (das W3C) statt durch Maktbedürfnisse entschieden wird». Ausserdem findet er, dass der Internet Explorer der beste Browser der Welt sei. Das passt irgendwie zusammen.

Wer sich als Firefox-User an seinem Blog erfreuen möchte, dem sei nebst `NoScript`/`YesScript` auch der `User Agent Switcher` ans Herz gelegt…