Microsoft und die Nigeria-Connection

November 1, 2007

Der erst vor zwei Tagen bekanntgewordene Deal zwischen dem Linux-Distributor Mandravia und der nigerianischen Regierung betreffend die Abnahme von 17000 Intel `Classmate-PC` Notebooks mit Mandravia Linux scheint komischerweise über Nacht geplatzt zu sein. Man sei, so die nigeranische Regierung, weiterhin bereit, die 17000 Lizenzen der speziell für das NAND-Flash des Notebooks angepassten Mandravia-Linux-Version zu bezahlen - danach werde man allerdings auf Windows umsteigen. Selbstverständlich weiss keiner, was die Meinungsänderung bewirkt hat, oder wie sich die Regierung auf einmal die 17000 Wegwerf-Lizenzen leisten kann - dazu kommen dann noch die Kosten für 17000 Windows-Lizenzen, wohlgemerkt. Davon abgesehen ist für das symphatische französische Unternehmen die Sache nicht nur finanzieller Natur - der Einsatz ihrer Distribution in den nigerianischen Schulen wäre auch prestigemässig ein grosser Erfolg.

François Bancilhon von Mandravia schrieb dem korrupten Big-Boss gestern einen offenen Brief, in dem er unter anderem die Frage stellt, was er denn getan habe, um Nigeria umzustimmen, nachdem Mandravia den Auftrag schon in der Tasche hatte. Eine sehr berechtige Frage… Warum sollte man ein speziell für das Notebook und dessen Verwendungszweck angepasstes Betriebssystem durch ein Windows `von der Stange` ersetzen - und womöglich noch zu einer äusserst eingschränkten Variante, etwa der `Starter Edition` von XP greifen? Wobei letzteres eher zu bezweifeln ist, Microsoft wird wohl Professional-Lizenzen `grosszügigerweise` spendieren…

Windows fristet momentan trotz seiner Dominanz auf dem Desktop im Bereiche der minimalistischen Notebooks eher ein Schattendasein, zumal sowohl der OLPC-Laptop wie auch der Asus `Eee PC` laufen standardmässig mit Linux - wobei letzterer `Windows XP Capable` sein soll…


Hack OS X 10.5 Leopard

Oktober 30, 2007

Nachdem Apple Mac OS X am 26. Oktober (oder auch früher) in der Version 10.5 `Leopard` veröffentlicht hat, gibt es nun Anleitungen der Hackintosh-Szene (und vorgepatchte DVD-Images aus der Piratenbucht), um den Leoparden auch auf nicht-Apple-Hardware zum rennen zu bringen. Voraussetzung ist nebst unterstütztem Grafikchip eine SSE3-fähige Intel-CPU, etwa eine Intel Core 2 Duo, wie sie auch in Intel-Macs verbaut ist. Ausserdem wird ein USB-Stick benötigt, um einen Patch zur Laufzeit in Leopard einspielen zu können. Dann sollte der Installation - oder dem Upgrade - theoretisch nichts mehr im Wege stehen. Der Hardware-Support ist naturgemäss eher schlecht, da Apple nur Treiber für die in Macs verbaute Hardware mitliefert. Daher ist man mit Hardware, die derjenigen eines Macs ähnelt, am besten bedient.

Selbst mit `geeigneter` Hardware ist die Installation freilich nichts für ungeübte Nutzer - diese sind wohl mit dem Kauf eines Macs besser bedient, zumal diese nicht mehr wesentlich teurer als `normale` PCs sind. Wer gerne am Rechner bastelt und halbwegs Englisch versteht wird wohl am neuen Hackintosh-Leoparden seine Freude haben.

Auch ich werde diese Tage auf Leopard umsteigen - als Besitzer eines MacBook Pro komme ich jedoch ohne Hackintosh-Tutorial aus, muss wohl aber dennoch mit Problemen rechnen.


Raubkatze einen Tag zu früh

Oktober 25, 2007

Anscheinend haben manche Apple Reseller Probleme bei der Datumseinstellung ihrer Rechner. Anders ist es wohl kaum zu erklären, dass einige etwas übereiferig waren und desshalb die ersten Leopard-Pakete schon heute an Kunden ausgeliefert wurden - obwohl Apple die neue Version von Mac OS X erst für den 26. Oktober angekündigt hat - laut apple.com sind es noch etwa 20 Stunden bis zum Launch. Wie der Fehler passieren konnte, ist noch unklar. Auch einige Apple-Händler sollen das Betriebssystem schon seit heute Mittag verkaufen, was Apple wohl sauer aufgestossen ist.

Wie immer mussten die Testwilligen natürlich nicht auf das Release warten - Beta-Builds sind schon lange im Pirate Bay und anderswo erhältlich…


Der Vista-Kopierschutz und die false-positives

Oktober 23, 2007

Copyprotection kills Media!

Wie Gulli berichtet, kann der Vista-Kopierschutz sogar nach einem einfachen Treiberupdate nach einer erneuten Aktivierung schreien und mit dem gefürchteten `Reduced Functionalty Mode` drohen. Bekannt ist sowohl von Vista wie auch (in begrenzterem Ausmass) von XP, dass Hardwareveränderungen nur begrezt toleriert werden (und ich kann aus Erfahrung sagen, dass ein Starten einer WinXP-BootCamp-Partition innerhalb von VMWare Fusion deren Deaktivierung zur Folge hat!) - dass jedoch auch Treiberupdates `problematisch` sind, ist neu. Das Problem steckt in der Art, wie Vista die Hardwarekomponenten identifiziert: durch Abfragen des Gerätenamens vom Treiber. Wird nun ein alternativer Treiber eingesetzt, wie dies gerade für Grafikkarten nicht unüblich ist, kann dieser unter Umständen einen anderen Namen für dasselbe Device zurückliefern - und schon denkt Vista, das Device wäre getauscht worden.

Schon Windows XP hatte einen ähnlich nervigen - wenn auch weniger drastischen - Kopierschutz. Dieser macht, wie oben erwähnt, besonders dann Mühe, wenn man eine XP-Installation in mehreren Umgebungen verwenden will - prominentes Beispiel ist das Starten einer BootCamp-Partition in VMWare Fusion (oder Parallels Desktop) unter Mac OS X. Für diese Problem fand ich nur eine Lösung, und die hiess `gecrackte Corporate-Version`.

Kopierschutz schadet nur, da die Kunden verärgert werden - sowohl bei Software, bei Musik als auch bei Filmen. Wann sieht das endlich einer ein?


EU gegen Microsoft-Monopol

Oktober 22, 2007

Vor einem Monat hatte der europäische Gerichtshof Microsoft dazu verdonnert, die Schnittstelleninformationen für Entwickler offenzulegen. Nach Ansicht (die sich im übrigen mit der meinigen deckt) des Gerichts nutzt Microsoft seine Marktmacht aus, um die Kommunikationsfähigkeit von Windows mit alternativen Betriebssystemen künstlich einzuschränken. So ist etwa das SMB (Server Message Block)-Protokoll, das Windows zum Dateitausch nutzt, nicht offen spezifiziert, so dass die Entwickler der freien Impementation Samba dieses durch Reverse-Engineering erkunden mussten. Ohne Samba wäre etwa ein heterogenes Netz aus Windows-Clients und Linux File-/Loginservern nicht zu realisieren.

Microsoft nimmt das Urteil, die Informationen innert 120 Tagen zu veröffentlichen, an. Gleichzeitig werden die Lizenzkosten für solcherlei Informationen auf 10000 Euro einmalig (ohne Patente) oder 0.4% Umsatzbeteiligung (mit Patenten). Letztere Möglichkeit könnte für die Entwickler freier Software interessant sein - mit einem Umsatz von 0.00 Euro!


`Mutiger Gibbon` - Ubuntu 7.10

Oktober 18, 2007

Ubuntu wurde heute in der Version 7.10, Codename `Gusty Gibbon`, offiziell freigegeben. Die wohl auffallendste Neuerung der auf Kernel 2.6.22 basierten Distribution ist wohl der Compiz-Fusion-Windowmanager, der erstmals auch per Default aktiviert ist. Dadurch eröffnen sich Effekte Desktop-Würfel, Wobbly Windows und ähnliches. Gut - das war schon mit Beryl möglich. Nun wird der Desktop-Würfel sogar verspiegelt und aus Fenstern werden Papierflieger gebastelt…

Golem hat die Original-Distribution mit dem Gnome-Desktop schon in die Mangel genommen und getestet. Ich werde bei Zeiten die KDE-Variante Kubuntu der neuen Version antesten…


Inoffizieller Patch für die `Firefox-Lücke`

Oktober 16, 2007

Da Microsoft schon seit Monaten mit der Veröffentlichung eines Patches zur Behebung der kritischen URI-Lücke in der Windows XP-Version von IE7 zuwartet, hat nun KJK::Hyperion einen inoffiziellen Patch gebastelt, der sich an den ShellExecute()-Syscall klemmt und versucht, schädliche URIs auszufiltern, bevor sie an ShellExecute() übergeben werden. Freilich ist immer noch unklar, warum Microsoft das Verhalten des XP-Syscalls bei der Installation von IE7 überhaupt verändert hat.

Seitens Microsoft wurde die Existenz dieser Lücke vielerorts dementiert oder die Verantwortung auf die Programmierer der Anwendungssoftware abgeschoben. Erst nachdem bekannt wurde, dass auch Outlook davon betroffen ist und als Angriffsvektor missbraucht werden kann, wird reagiert. Vermutlich lässt der offizielle Patch aber mindestens bis zum November-Patchday auf sich warten.

Der inoffizielle Patch ist laut KJK::Hyperion aber noch nicht ausgiebig getestet, so dass von einer Installation momentan noch abgeraten werden muss. Die Chancen stehen aber gut, dass der OpenSource-Patch bald verbessert wird.


`Firefox-Lücke` in Outlook

Oktober 9, 2007

Die angebliche Firefox-Lücke, die es im Zusammenspiel mit Windows XP und IE 7 erlaubt, duch speziell präparierte URIs beliebige Programme auf dem angegriffenen System zu starten, betrifft nun neben Firefox, mIRC, Adobe Reader und Skype auch Outlook 2000 und Outlook Express. Dies ist insofern verwunderlich, als dass Microsoft dementiert hat, dass eigene Produkte betroffen seien und sich desshalb auch weigerte, die eigentliche Windows-Schwachstelle zu beheben. So waren die Entwickler von Firefox und den anderen betroffenen Programmen gezwungen, in ihre Applikationen Work-Arounds einzubauen. Nun kam der grosse Schock für Microsoft, ist doch auch der eigene Mailclient von der Sicherheitslücke betroffen.

Interessant ist, dass die Lücke nur bei installierem IE 7 auftritt, was wohl bedeutet, dass der IE 7 die Art der URI-Behandlung grundlegend verändert. Eventuell hat Microsoft ja doch Recht und der der IE ist integraler Bestandteil von Windows, und bei dessen Entfernung tritt tatsächlich ein abnormales Verhalten (eine geschlossene URI-Lücke) auf.

Ob Microsoft nun endlich einlenkt und das Verhalten von Windows korrigiert, ist noch nicht bekannt. Ebenso weiss momantan noch keiner, warum genau der IE 7 diese Probleme verursacht. Vielleicht eine kleine Ermunterung für die `Kunden`, endlich auf das so viel sichere Vista (Gerüchteweise die Abkürzung für `Viruses, Intruders, Security holes, Trojans, Adware`) umzusteigen…

Wer selbst testen will, kann folgende URI dazu benutzen, ohne Zeilenumbrüche:
news:%00%00../../../../../windows/system32/cmd”.exe ../../../../../../windows/system32/calc.exe ” - ” blah.bat


Hasta la Vista, XP - Nein, warten Sie…

September 28, 2007

…sie können noch bis nächsten Juli bleiben. Die Chefetage von Microsoft will damit auf Kundenwünsche reagieren. Ob nicht doch komerzielle Interessen dahinterstecken? Immerhin wollen die meisten Kunden nicht von XP weg, und wenn XP nicht mehr erhältlich wäre, wäre das eine prima Legitimation für Schwarzkopien. Ich behaupte ja gar nicht, dass Vista schlecht sei - auch wenn mich die Teleubbie-Effekte nicht ansprechen. Das Problem sind die Programme. Durch Vernachlässigung vernünftiger Abwärtskompatiblität, auch mit nicht sauber programmieren Applikationen, hat sich Microsoft einen grossen Markt verbaut. Ob Unternehmen einen Grossteil ihrer Software wegschmeissen wollen, nur um auf Vista umzusteigen, ist äusserst fraglich. Da könnte man ja gleich Linux nehmen…

Bei Power-Usern sieht es ähnlich aus. Diese wollen auch, dass ihre angestammte Software - teilweise sogar noch aus DOS-Zeiten - noch funktionniert. Einzig PC-Einsteiger könnten mit Vista glücklich werden. Oder mit Ubuntu Linux…

Es bleibt wohl dabei, dass Vista eine geschickte Kombination aus Mac OS X, Linux und Windows XP darstellt. Von Mac OS X die grafischen Effekte, von Linux die Eigenschaft, dass Windows-XP-Programme nicht laufen und von XP die Stabilität…


Bei Nichtgebrauch Geld zurück…

September 25, 2007

In Frankreich jemand gegen Acer geklagt, weil diese ihm das zurückgeschickte Windows, das mit seinem Notebook gebundelt wurde, nicht erstatten wollten. Lediglich 30 Euro wurden ihm geboten. Dieser jemand wollte allerdings - berechtigterweise - mehr Geld sehen, so dass der Fall vor Gericht landete. Dieses schätzte den Wert der Software wesentlich höher ein - so dass ein 600-Euro-Notebook plötzlich nur noch die Hälfte kosten sollte. Wenn man dann noch die Busse gegen Acer mitberücksichtigt, war dieser Kunde für Acer bedauerlicherweise ein Verlustgeschäft. So ein Pech aber auch.

Wenn sich diese Auffassung in der ganzen EU durchsetzen sollte (Der Brüsseler `Think Tank` hat ja sogar ein noch radikaleres Gesetz vorgeschlagen, dass jede Bundelung verbieten soll), würde dies Microsoft sicherlich einige schlaflose Nächte bereiten, zumal sich einige Leute gegen ein vorinstalliertes Windows entscheiden und damit die `Microsoft-PC-Steuer` umgehen würden, ohne sich gleich ein Super-High-End-Gerät eines Markenherstellers kaufen zu müssen. Auch Apple könnte es nerven, Mac OS X nebst iLife und dem anderen `Macintosh Software Bundle`-Kram (auch `iFoo` genannt) zurücknehmen zu müssen.

Also, hoffen wir das Beste. Lang lebe der Wettbewerb. Und dieser erfordert, dass Hardware nur mit Firmware, nicht aber mit Software zwangsgebundelt werden darf, so dass der FOSS-Einsatz auch finanziell einen Anreiz darstellt.