RapidShare und die `armen` Leecher

RapidShare.com ist böse, Müll und überhaupt irgendwie schlecht – zumindest, wenn den `armen` Leechern mit dynamisch vergebenen IP-Adressen glauben darf.

Von glücklichen Stunden und Katzen…

Hintergrund dieser `Kritik` ist, dass RapidShare in den letzten Wochen das Hund- und Katzspiel mit Captchas leid geworden ist. Nach den verzerrten Katzencaptchas, die immerhin einige Wochen hielten, kam kurze Zeit ein tEABAG_3D-Derivat zum Einsatz, wessen Status einige Tage zwischen den Extrema `per OCR erkennbar` und `für Menschen nicht lesbar` schwankte. Nicht unerwähnt sollten die zu dieser Zeit aktiven `Happy Hours` bleiben – immerhin 16 Stunden am Tag kamen überhaupt keine Captchas zum Einsatz. RapidShares Plan war wohl, die extreme Bandbreitenauslastung während des Ansturms in den frühen Abendstunden durch Verlagerung der Free-User-Aktivitäten in Zeiten schwächerer Auslastung abzufangen. Dieses Unterfangen wurde aber durch automatisierte Erkennungsmethoden für die Captchas vereitelt – der verbotene Apfel musste zwingend gepflückt und gegessen werden, die täglich verbleibenden 8 Stunden mussten dringend auch zur automatisieren Generierung von Traffic ausgenutzt werden.

Aus dem Paradies vertrieben…

Dass RS.com dieses Spiel nicht ewig mitspielen wird, war abzusehen. Vor einigen Tagen wurde statt eines Captchawechsels eine neuartige Massnahme ergriffen – die Geschwindigkeit für Free-User wurde auf 500 Kilobit (ca. 63KiB) pro Sekunde gedrosselt, dafür entfallen die Captchas sowie die Wartezeit nach jedem Download. Unter den deutschen Leechern mit ihren dynamisch zugewiesenen IP-Adressen machte sich sehr schnell Unmut breit. Man brauche jetzt viel länger für die neuen Urlaubsfilm-BluRay-Discs, da man nicht mehr ununterbrochen mit 16 Megabit pro Sekunde laden könne. Dass man früher eigentlich mehr als zwei Stunden nach jedem 100MiB-Download hätte warten müssen, und dass die knappen 30 Minuten, die man als Free-User nun für 100MiB braucht, verglichen damit durchaus human sind, braucht keiner zu wissen. Schliesslich konnte man die Wartezeit durch ein Neuaufbauen der DSL-Verbindung und den damit verbundenen IP-Wechsel abkürzen.

…oder auch nicht?

Freilich hat nicht jeder eine dynamisch zugewiesene IP-Adresse. In vielen Ländern sind IP-Adress-Pools so gut wie unbekannt. Da zeigte das alte System sein wahres Gesicht – schön, wenn man für 5 Minuten die DSL-Leitung glühen lassen konnte, unschön, dass man danach einige hundert Minuten warten musste. Für all jene, die das alte System nicht ausgetrickst haben – etwa, weil es aufgrud einer fixen IP-Adresse nicht möglich war – stellt das neue System eine deutliche Verbesserung dar. Ausserdem bringen im neuen System auch Downloads von Premium-Usern Punkte, was den Uploadern sicherlich gefallen dürfte.

Auch die Premium-User…

…wurden in den letzten Wochen mit einigen Neuerungen beglückt. Neben einer – nach kurzer Zeit wieder zurückgenommenen – `Vereinfachung der Trafficabrechnung`, welche zur Folge hatte, das pro Tag `nur` 10 GiB Traffic erzeugt werden durften (statt 50GiB beliebig über 5 Tage verteilen zu können), wurden auch Massnahmen gegen Accountsharing ergriffen. Während auch hier eine grosse Menge höchst sinnvoller Beschwerden von Personen kamen, die vorher – den AGB zum Trotz – Accounts geteilt haben, gab es doch auch begründete Kritik – da der Premium-Account 15 Minuten nach jedem Download gesperrt bleibt, hat eine Zwangstrennung der Verbindung seitens des Providers eine Verzögerung von bis zu 15 Minuten zur Folge. RS.com versuchte, diesem Problem durch Lokerung der Sperre für das jeweilige /24-Subnetz Einhalt zu gebieten. Da einige ISPs jedoch verschiedene /24er-Netze in ihrem DHCP-Pool haben, ist das Problem dadurch nicht endgültig gelöst.

Früher…

…war bekanntlich alles besser. Was wollen die Power-Leecher? Diese Frage ist einfach zu beantworten, die Antwort wird jedoch verständlicherweise ein Wunschtraum bleiben. Was einige wollen, ist ein System, dessen Limits man austricksen kann. Keiner will wirklich wieder Captchas und Wartezeiten nach jedem Download. Das `gute` alte System ist nicht so beliebt, weil es wirklich grosszügiger war, sondern, weil es seine Wirkung – zumindest im Lande der dynamischen IP-Adressen – nicht entfalten konnte – und diese Tatsache ist RS.com verständlicherweise ein Dorn im Auge.

Im Endeffekt…

…ist dieser Post uninteressant. Die Leecher wollen soviel wie möglich in möglichst kurzer Zeit gratis herunterladen. Punkt. Alles andere ist uninteressant.

14 Antworten zu „RapidShare und die `armen` Leecher“

  1. Anonym sagt:

    Naja was heißt jegliche Wartezeiten. Ca. 45Sek sind schon noch da.

  2. kugelfisch sagt:

    Ok, ich meinte die Wartezeiten nach, bzw. zwischen den Downloads. Die Ticket-Wartezeiten waren zwar auch eine gewisse Zeit weg, wurden nun aber wieder eingeführt.

    War vielleicht etwas unklar formuliert, ich habe das eben etwas umformuliert

  3. 8bitNerd sagt:

    Du sprichst mir aus der Seele Kugelfisch, Usenet gibt es ebenfalls so lange und es ist ein Service für den man bezahlen muss und läuft bis heute immer noch ohne Probleme denn da wo es Free-user gibt, dort gibt es auch Nörgler die nie mit etwas zufrieden sind.

    Wir werden ja sehen ob der Hilferuf nach einer Captcha-Erkennung immer noch da ist wenn Rapidshare irgendwann wieder auf das alte System mit der 17 Stündigen Happy Hour (von 00:00 bis 17:00 Uhr) pro Tag zurück wechselt.

  4. Luk@s sagt:

    Exzellenter Beitrag. Man kann übrigens wieder von mindestens zwei IPs gleichzeitig downloaden … aber psst! ;-)

  5. Mati sagt:

    Mal wieder ein wunderbarer Beitrag, eine _wirklich_ schöne Zusammenfassung jüngster Ereignisse.

  6. mp17 sagt:

    Kann mich meinen Vorrednern nur anschließen, wieder mal ein geiler Post. :)

  7. Hainish sagt:

    Ich muss sagen gut so. Es gibt nun wirklich zahllose Leutchen die es maßlos übertreiben mit dem frei saugen und dadurch werden solche Maßnahmen notwendig sonst gibt es bald kein RS mehr wäre ja auch nicht der erste Dienst der auf diese Weise kaputt geht. Ich kann gut damit Leben und wer mehr will muss halt zahlen so einfach ist das manchmal.
    Im Übrigen kann ich mich nur anschließen schöner Beitrag mach weiter so.

  8. Luk@s sagt:

    Mittlerweile ist der Gulli-Thread ja bei 45 Seiten angelangt und ich finde es immer wieder amüsant wie sich die Leecher-Kiddies über RapidShare echauffieren können. Da wird dann kritisiert, dass das ach so kapitalistische RS plötzlich in bezahlende und nicht bezahlende User unterscheidet und dass doch gar nicht geht. Irgendwie drollig das Ganze :D

  9. Handy sagt:

    Der Beitrag ist sehr schön geschrieben. Dass ist der Grund, warum man immer diese Seite besucht.
    Weiter so

  10. 2hochn sagt:

    guter blog
    MfG
    c3p

  11. Smut sagt:

    Kann mich den anderen bloß anschließen. Sehr schön geschrieben! :)

  12. colin2k sagt:

    ein wirklich schönen Blog hast du da, deine Artikel lesen sich sehr gut :)

  13. windhund sagt:

    Es misfällt mir sehr, daß RS in seinen AGB solch eine Klausel haben soll, die angebl. „Account sharing“ unterbinden soll – technisch gesehen ist das mehr oder minder eine Begrenzung auf eine feste IP ? Und das für einen Premiumuser? Aber was wenn ich mit einem Premiumacc. dauernd untnerwegs bin und mit meinem Notebook saugen will. Dann sagt RS „is nich“ ? nö, ich habe lange mit einem Premiumacc. geliebäugelt, aber SO nicht.

  14. kugelfisch sagt:

    Mittlerweile haben sich die Regeln mehrfach geändert – unter anderem werden nun Premium-Usern nur noch 2.66 GB Downloadvolumen zur Verfügung gestellt (früher: 5 oder gar 10 GB). Ob man sich unter diesen Umständen noch einen Premium-Account leisten will…?

    Die Account-Sharing-Regeln sind AFAIK zur Zeit so, dass 4 unterschiedliche IP-Ranges pro Account zugelassen werden. Die Rate der falschpositiven Ergrebnisse dürfte sich dadurch reduziert haben.
    Zeitweise (im November) waren die Anti-Account-Sharing-Massnahmen ausser Betrieb (oder die Limits sehr grosszügig gesetzt)

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