«All packtets are equal…

…but some packets are more equal than others.»

Die Netzneutralität ist ein wertvolles Konzept, das in der heutigen Zeit immer weiter eingeschränkt wird. `Netzneutralität` bedeutet, dass sowohl ISPs als auch Carrier jedes Datenpackt gleich zu behandeln haben – insbesondere darf keine Filterung oder Priorisierung anhand des Inhalts, des Protokolls oder des vermuteten Anwendungsbereichs vorgenommen werden. Während Internetzensur ebendieses Konzept von der einen Seite bedroht, steht an der anderen Front die Anti-P2P-Lobby sowie einige ISPs wie Comcast, die versuchen, Pakete, die vermuteterweise mit einem Peer-to-Peer-Netz ausgetauscht werden, zu verwerfen oder zumindest stark zu limitieren. Das ist jedoch nicht alles – Sandvine, die Entwickler des Filtersystems, das unter anderem von Comcast eingesetzt wird, hat vor kurzem ein neues Produkt vorgestellt, `FairShare` genannt. Während die Pressenotiz von Sandvine nicht viel über die Funktionsweise von `FairShare` verrät, spricht Sandvines Paper `The Value of Traffic Optimization in a World with Network Neutrality` eine deutlichere Sprache.

A policy is applied to heavy users during periods of congestion to allow light users a fair opportunity to use the available bandwidth. This policy usually consists of traffic shaping action and/or traffic prioritization to limit the abusive traffic during the congestion period.

Folglich soll die Bandbreite derjenigen, die ihre bezahlte Flatrate stark auslasten, zumindest während den Spitzenzeiten eingeschränkt werden. Ihre Pakete werden niedriger priorisiert, ihre Übertragungsgeschwindigkeit limitiert. Dies soll, laut Sandvine…

By encouraging heavy users to shift their usage to off-peak times, bandwidth can then be divided fairly among users throughout the day. The overall effect is an improved user experience.

…den armen Usern helfen. Die Wirklichkeit sieht aber so aus, dass sich der ISP in seiner Mischkalkulation vetan hat – schon in der Vergangenheit wurden Fälle bekannt, in denen ISPs Kunden, die viel Bandbreite verbraucht haben, gekündigt haben. Ebenfalls ist die Frage nicht beantwortet, wie die Bandbreiteneinschränkung genau erfolgen soll – wird das über BitTorrent heruntergeladene Debian-Image niedriger priorisiert als der Download des neusten Kinofilms über einen One-Click-Hoster, unter Benutzung des HTTP-Protokolls? Und wie sieht es mit den meist mehr oder weniger sinnlosen YouTube-Streams aus – oder mit Video-Streams von öffentlich-rechtlichen Fernsehsendern, z.B. über BBCs iPlayer, um einen Vorfall aufzugreifen, der sich im August letzten Jahres ereignet hat?

2 Antworten zu “«All packtets are equal…”

  1. the0evil0twin sagt:

    Es wird leider immer Jemanden geben der gleicher als die Anderen ist.

    Aber das eigentliche Problem haben die ISP selbst erzeugt sie geben dem Userern immer mehr Bandbreite bei sinkenden Tarifkosten.

    Bzgl. der Youtube Streams ja die sind wirklich sinnfrei, wenn ich mir 3 x am Tag ein Lied anhöre, lade ich es auch 3 x runter, dass das nicht effizient ist braucht wohl nicht erwäht werden.

  2. Guido Strunck sagt:

    Das Internet wird in seiner Bedeutung als Kommunikationsinfrastruktur bald ähnlich bedeutsam werden, wie es das Straßen- und Schienennetz als Verkehrsinfrastruktur schon ist. Wahrscheinlich wird daher die Diskussion um die Netzneutralität bald die Frage aufwerfen, in wie weit man die Kontrolle über etwas so etwas wichtiges einigen privaten Konzernen und Monopolen überlassen sollte. Und ob nicht mehr staatliche Regulierung angebracht wäre.

    Dass die ISPs das ebenfalls annehmen, kann daran gesehen werden, dass z.B. in Europa ein zunehmender Lobbydruck spürbar wird, sobald es in den EU-Gremien um Fragen der Internetregulierung oder des Umgangs mit Fragen des sog „geistigen Eigentums“ geht.

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